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Geschrieben von: Administrator   
Sonntag, den 27. März 2011 um 20:53 Uhr

Liebe Gäste,

wir freuen uns sehr, dass Sie bei uns hereinschauen. Wir sind ein Verband in dem Betroffene, Familien und Freunde von Contergan-geschädigten Menschen zusammenkommen.
CONTERGAN
war Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre ein beliebtes Beruhigungs- und Schlafmittel. Von der Pharmaindustrie, besonders dem Hersteller Grünenthal, als völlig unbedenklich eingestuft. Daher war es freiverkäuflich in den Apotheken zu bekommen. Auch junge Frauen, die oft nichts von ihrer Schwangerschaft ahnten, nahmen das Mittel CONTERGAN ein.
Plötzlich häuften sich die Geburten, bei denen missgebildete Babys das Licht der Welt erblickten. Häufig waren es äußerlich sichtbar verkürzte Arme und Beine. Eine Ursache war zunächst nicht auszumachen. Bis der Kinderarzt Widukind Lenz der Sache auf den Grund ging, und sich der Verdacht erhärtete, dass CONTERGAN zu diesen Missbildungen geführt hatte. Widukind Lenz mahnte Grünenthal an, das Mittel vom Markt zu nehmen, was diese jedoch zunächst ablehnten. Immerhin wurde CONTERGAN dann bald rezeptpflichtig. Erst nachdem der Druck auf Grünenthal größer wurde, nahmen sie CONTERGAN vom Markt.
Erst nach und nach kam raus, dass ungefähr 10.000 Kinder mit schweren Missbildungen geboren wurden. Ca. 5000 Kinder waren so schwer geschädigt, dass sie früh verstarben. Weitere über 2000 Kinder verstarben im Laufe der Jahre. Heute leben noch ca. 2600 contergangeschädigte Menschen überwiegend in Deutschland, eine geringere Anzahl überall in der Welt. Die Schädigungen sind unterschiedlichster Art und Schwere. Ausschlaggebend hierfür war die Einnahme von CONTERGAN. Am 35. bis 50. Tag nach der Empfängnis richtete Contergan die Schäden an dem werdenden Menschen an. Heute kann man anhand der Schäden fast genau sagen, an welchem Tag die Mutter das Mittel eingenommen hatte. Zu den am meisten bekannten Schäden an Armen und Beinen kommen Schäden im HNO-Bereich, innere Schäden, und eine geringere Anzahl an geistigen Behinderungen.
Die Firma Grünenthal wurde damals verklagt. Die Gerichtsverhandlung wurde von mehreren Anwälten des Pharmaunternehmens Grünenthal geführt und zu einer Farce degradiert. Den Eltern wurde ein Vergleich unterbreitet, mit der gleichzeitigen Androhung, es könnte auch passieren, dass es keinerlei Entschädigung gibt. Unter Druck wurde dem Vergleich zugestimmt, und das Verfahren wegen Geringfügigkeit eingestellt.

Es folgte die Gründung der Stiftung „Hilfswerk für behinderte Kinder“ in die
Grünenthal 100  Mio. DM und der Staat über Jahre 320 Mio. DM einzahlte. Diese übernahm nun die  Auszahlung der monatlichen Renten, sowie die geringe Einmalzahlung. 1997 war der Betrag aufgebraucht, und die Rentenzahlungen erfolgten nur noch über den Steuerzahler. 2008 erschien der 2-teilige Fernsehfilm „Eine einzige Tablette“. Daraufhin wuchs der Druck  auf  Grünenthal, sodass 50 Mio. Euro in die „Conterganstiftung für behinderte Menschen“  freigegeben wurden. (Der Name der Stiftung wurde geändert)


Heute bekommen die contergangeschädigten Männer und Frauen monatliche Renten
grafik_rentenzahlung_matrix_20120628.pdf
von ca.255 bis 1152 Euro und einmal im Jahr einen Betrag zwischen 460 Euro und 3680 Euro je nach Schwere der Schädigung.

Die Familie Wirtz, Inhaber der Firma Grünenthal und vieler anderer Firmen, gehört hingegen zu den 10 reichsten Familien in Deutschland.



Die Geschädigten jedoch sind heute um die 50 Jahre alt, bekommen nicht nur die altersentsprechenden Beschwerden, sondern conterganspezifische Spätschäden dazu. Der gesamte Skelettapperat ist häufig betroffen, sodass immer mehr Betroffene im Rollstuhl sitzen müssen, die Arbeitsfähigkeit nicht mehr gegeben ist, oder zurückgeschraubt werden muss. Ein deutlich früherer Eintritt in die Erwerbsunfähigkeitsrente ist die Folge, was die finanzielle Situation zusätzlich anspannt.

Aufgrund einer Forschungsstudie der Heidelberger Ruprecht-Karls-Universität studie_contergan.pdf


wurden in einen Zwischenbericht die ärgsten Befürchtungen der Geschädigten bestätigt.

Daher gehen die CONTERGAN-geschädigten Menschen heute immer mehr an die Öffentlichkeit, um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen. Wir brauchen mehr finanzielle Mittel, um unser Leben bewältigen zu können. Die Firma Grünenthal muss heute endlich ihre Schuld öffentlich eingestehen, den Geschädigten, vor allem den vierfachgeschädigten SOFORT eine Summe zur Verfügung stellen, die es ermöglicht, sich Hilfen jeglicher Art einzukaufen, sowie eine Entschädigung für durch sie verursachtes Leid.
Da heute rechtlich kein Weg mehr zur Firma Grünenthal führt, der Staat die Verantwortung übernommen hat, machen wir hier auf unsere Bedarf aufmerksam, und dafür brauchen wir Menschen, die mit uns darum kämpfen.
Wir brauchen SIE!



© by Gaby H.

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 22. August 2012 um 20:23 Uhr